Introduction
In unserem „Digitalen Lernprojekt“ haben insgesamt fast 1200 Kinder der 3. Volksschulklasse an 39 Schulen und 60 Klassen in Wien und in Oberösterreich teilgenommen. Die Studie hat im November 2019 mit einer ersten Messung des Status Quo begonnen. Der Fokus lag hier auf gesellschaftlichen Vorurteilen, d.h. stereotypes Rollendenken, sowie Selbsteinschätzung der eigenen Leistung in Mathematik- und Deutschaufgaben. Wir unterscheiden zwischen Deutsch und Mathematik, da Deutsch ein eher stereotyp weibliches Fach ist und Mathematik ein stereotyp männliches Fach. Bei der Erhebung und Durchführung der Studie wurden höchste wissenschaftliche und ethische Standards angelegt.

Für diese Erstmessung liegen bereits Ergebnisse vor:

1 Image Die Kinder lösen eine Minute lang Mathematikaufgaben. Davor fragen wir sie „Was denkst du, wie viele Aufgaben kannst du in einer Minute lösen?“. Wenn sie richtig liegen, bekommen sie Extrapunkte, die sie später gegen Geschenke einlösen können. Mädchen und Burschen überschätzen sich beide. Buben aber um fast 30% mehr als Mädchen.
2 Die Kinder lösen eine Minute lang Deutschaufgaben. Davor fragen wir sie „Was denkst du, wie viele Aufgaben kannst du in einer Minute lösen?“. Wenn sie richtig liegen, bekommen sie Extrapunkte, die sie später gegen Geschenke einlösen können. Burschen überschätzen sich auch in Deutsch mehr als dies Mädchen tun. In Deutsch ist der „Gender Gap“ aber geringer als in Mathematik. Image
3 Image Nach der ersten Aufgabenrunde erfahren die Kinder, dass sie noch einmal eine Minute lang Aufgaben in Mathematik bzw. Deutsch lösen. Sie können entscheiden, ob sie in einen Wettbewerb treten oder wie in der ersten Runde individuell spielen möchten. Der Wettbewerb bringt mehr Punkte, wenn man gewinnt, aber weniger, wenn man verliert im Vergleich zum individuellen Spiel. Wer sich für den Wettbewerb entscheidet, zeigt, dass er/sie Selbstbewusst ist und an die eigene Leistung glaubt. Wir sehen, dass Mädchen sich weniger häufig für den Wettbewerb entscheiden als Burschen. In Mathematik ist der „Gender Gap“ stärker ausgeprägt als in Deutsch.
4 Nach dem Lösen der Aufgaben bitten wir die Kinder (heimlich) zu notieren wer sie denken auf Platz 1, 2 und 3 in der Klasse ist. Danach übertragen sie ins Tablet, ob dieses Kind ein Mädchen oder ein Bursch ist. Sie erhalten extra Punkte, wenn sie mit ihrer Einschätzung richtig liegen. Hier sehen wir, dass insbesondere bei den Burschen stereotypes Rollendenken bereits in der 3. Klasse Volksschule ausgeprägt ist. 84% der Burschen denken, dass ein Bursch in Mathematik auf Platz 1 ist. Tatsächlich ist die Leistung in Mathematik und Deutsch bei Burschen und Mädchen sehr ähnlich und Mädchen und Burschen sind auch zu ca. 50% auf dem Platz 1 in Mathematik und auch in Deutsch zu finden. Mädchen sind in ihrer Schätzung bei Mathematik recht nah an der Wirklichkeit mit 54%. In Deutsch sind die Wahrnehmungen von Burschen und Mädchen hin zum eigenen Geschlecht verzerrt. Mädchen denken zu 72%, dass ein Mädchen am Besten abgeschnitten hat und Buben zu 76%, dass ein Bursch gewonnen hat. Image